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loco-info.com
Das Nachschlagewerk für Loks und Triebwagen

Preußische S 1

Deutsche Reichsbahn Baureihe 1270

Deutschland 1884 275 gebaut
Normalbauart Borsig PD

Bei der S 1 handelte es sich, wie auch die Bezeichnung vermuten lässt, um die ersten Schnellzuglokomotiven, die die Preußischen Staatsbahnen nach genormten Musterblättern hatten beschaffen lassen. Bei ihnen muss unterschieden werden zwischen einer ersten Bauart mit Verbundtriebwerk von 1884 und der späteren Serienversion mit Zwillingstriebwerk von 1885.

Die erste angesprochene Variante wurde als Bauart Hannover bezeichnet und war nach der Omnibuslok T 0 und der Güterzuglok G 4.2 die erste Schnellzuglok in Preußen, die über ein Verbundtriebwerk verfügte. Obwohl sie auf Grund der damals noch nicht vollkommen gelösten Anfahrprobleme zwischen 1884 und 1887 nur 14 mal gefertigt wurde, bildete sie die Grundlage der P 32. Ein konstruktives Merkmal, das die S 1 der Bauart Hannover von anderen 1B-Lokomotiven unterschied, war die Lage der Zylinder. Diese befanden zwischen der Lauf- und der ersten Kuppelachse, während sie sonst meist vor der Laufachse angeordnet waren. Somit entfiel ein Teil der überhängenden beweglichem Massen, woraufhin sich die Laufruhe verbesserte.

Die schließlich von 1885 bis 1898 in größeren Zahlen produzierte Normalbauart erhielt wieder ein herkömmliches Triebwerk mit einfacher Dampfdehnung, da man den höheren Verbrauch für den Wegfall der Anfahrschwierigkeiten in Kauf nehmen wollte. Auch ordnete man die Zylinder wieder vor der Vorlaufachse an, da die Maschinen eher für lange, gerade Strecken gedacht waren. Bei der Entwicklung hatte man sich an den Personenzuglokomotiven der Gattungen P 2 und P 31 orientiert. Die Verwendung größerer Kuppelräder erhöhte zwar die Höchstgeschwindigkeit nicht, verbesserte jedoch die Eignung für das Fahren von längeren Strecken mit hoher Geschwindigkeit. So konnten etwa auf der Strecke Berlin-Hamburg 171 Tonnen schwere Züge dauerhaft mit 80 km/h gezogen werden.

Beide Bauarten wurden noch bis in das 20. Jahrhundert hinein genutzt, jedoch seit dem Aufkommen stärkerer Schnellzugmaschinen zunehmend nur noch vor regulären Personenzügen. Die Verbundmaschinen wurden zum Großteil bis 1914 ausgemustert, die letzten Exemplare konnten sich bis 1922 halten. Bei der Normalbauart erfolgten die meisten Ausmusterungen gegen Ende des ersten Weltkriegs. Vier Stück schafften es jedoch noch in den Umzeichnungsplan der Reichsbahn, wo für sie die Nummern 12 7001 bis 12 7004 vorgesehen waren. Schließlich wurden sie nicht mehr übernommen, da die Ausmusterungen bis 1924 erfolgten.

Bauart Hannover Die Lokomotive, August 1910
Schnittzeichnung mit Maßen Die Lokomotive, August 1910

Technische Daten

Allgemein

Eigenschaft Verbundbauart Hannover Normalbauart
Baujahre 1884-1898 1885-1898
Hersteller Hanomag, Henschel
Achsformel 1B n2v 1B n2
Spurweite 1.435 mm (Normalspur)

Abmessungen und Gewichte

Eigenschaft Verbundbauart Hannover Normalbauart
Länge 14,80 m 13,50 m
Dienstmasse 38 t 41,3 t
Reibungsmasse 27,6 t
Achslast 13,9 t
Wasservorrat 12.000 l
Brennstoffvorrat 5 t (Kohle)
Radstand 4,40 m
Feste Radstände 2,60 m

Kessel

Eigenschaft Verbundbauart Hannover Normalbauart
Rostfläche 1,75 m² 2,07 m²
Verdampfungsheizfläche 98 m² 97,27 m²
Gesamtheizfläche 98,0 m² 97,3 m²
Feuerbüchse 7 m²
Rohrheizfläche 90,27 m²

Triebwerk

Eigenschaft Verbundbauart Hannover Normalbauart
Raddurchmesser 1.860 mm 1.960 mm
Kesseldruck 12 bar
Bauart Verbund einfache Dampfdehnung
Zylinder zwei, HD: 420 x 580 mm und ND: 660 x 580 mm zwei, 420 x 600 mm

Leistung

Eigenschaft Verbundbauart Hannover Normalbauart
Energiequelle Dampf
Geschätzte Leistung 350 kW (476 PS) 400 kW (544 PS)
Höchstgeschwindigkeit 90 km/h
Zugkraft 39,9 kN 55,1 kN
Zugkraft einfach 47,9 kN

Berechnete Werte

Eigenschaft Verbundbauart Hannover Normalbauart
Adhäsionskoeffizient 1 : 6,78 1 : 4,92
Optimale Geschwindigkeit 53 km/h 45 km/h
Leistungsgewicht 9,2 kW/t 9,7 kW/t
Reibungsmasse/Gesamt 1 : 1,38 1 : 1,50
Zugkraft/Heizfläche 1 : 8,51 1 : 11,83
Rostfläche/Heizfläche 1 : 56,00 1 : 46,99
Heizflächen-Äquivalent 132,3 m²
Zylindervolumen/HFÄ 1 : 1.256,92
Feuerbüchse/Rohrheizfläche 1 : 12,90
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