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Das Nachschlagewerk für Loks und Triebwagen

London & North Western Problem- oder Lady of the Lake-Klasse

Großbritannien 1859 60 gebaut
Nr. 804 „Soult” im ursprünglichen Zustand um 1868 in Rugby www.warwickshirerailways.com PD

Der zweite Entwurf von John Ramsbottom während seiner Tätigkeit bei der LNWR war eine Schnellzuglok der Achsfolge 2-2-2 mit einem Raddurchmesser von sieben Fuß und sechs Zoll. Sie konnte als eine vereinfachte und somit kostengünstigere Variante der Loks seines Vorgängers Alexander Allan bezeichnet werden. Offiziell wurde diese Klasse nach der ersten Serienmaschine als „Problem Class” bezeichnet, jedoch ist sie auch als „Lady of the Lake Class” bekannt. Dies rührt daher, dass die LNWR die Maschine mit diesem Namen 1862 bei der Weltausstellung in London präsentierte und sich der Name schnell in der Öffentlichkeit einprägte.

Die anfangs in Grün lackierten Loks fielen durch geschlitzte Radkästen auf und hatten auf Grund des großen Treibraddurchmessers scheinbar einen kurzen Radstand. Trotz der hohen Reisegeschwindigkeiten war zunächst kein überdachtes Führerhaus vorhanden. Sie waren die ersten Loks, die mit Tendern mit einer Schöpfeinrichtung zum Wasserfassen während der Fahrt ausgerüstet wurden. Dabei wurden die anfangs verwendeten, herkömmlichen Tender mit einer Wasserkapazität von 2.000 Gallonen gegen solche mit Schöpfeinrichtung ersetzt, die nur 1.500 Gallonen fassten. Eine weitere Innovation war ein Injektor der Bauart nach Henri Giffard, nur die ersten zehn Exemplare hatten eine konventionelle Wasserpumpe bekommen.

Das Haupteinsatzgebiet der Loks waren die Irish Mail Trains, die Post aus Übersee und aus Irland von Holyhead abholten und mit hoher Durchschnittsgeschwindigkeit und ohne viele Zwischenhalte nach London brachten. Auf eben dieser Verbindung wurde die Nummer 229 „Watt” Teil der sogenannten „Trent Affair”. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs galt es am 7. Januar 1862, auf Grund einer diplomatischen Unstimmigkeit eine Depesche des britischen Botschafters in Washington in möglichst kurzer Zeit nach London zu bringen. Nach der Ankunft in Irland und dem Weitertransport nach Holyhead übernahmen zwei Loks nacheinander die Beförderung der Postsäcke, wovon die „Watt” den ersten Abschnitt bis Stafford übernommen hatte. Sie schafften es dank der Wassertröge knapp, den Weg von Holyhead nach London in den angekündigten fünf Stunden zurückzulegen und damit eine rekordverdächtige Leistung abzuliefern. Die „Watt” hatte dabei ihre 210 km in 144 Minuten absolviert.

Andere Aufgabengebiete der Problem Class waren Schnellzüge im Raum Manchester, Liverpool und Crewe. Eine Auffälligkeit war ein unruhiger Lauf um die Hochachse bei hohen Geschwindigkeiten, der seinen Ursprung vermutlich im relativ kurzen Radstand hatte. Webb unterzog die Maschinen ab 1873 einigen Umbauten, bei denen ein Führerhausdach, andere Schornsteine, eine nun schwarze Einheitslackierung, eine Dampfbremse auch für die Räder der Lok und geschlossene Radkästen zur Anwendung kamen. Erst zwischen 1895 und 1897, als die ersten Exemplare der Klasse schon seit 36 Jahren im Einsatz standen, erfolgte eine umfangreichere Rekonstruktion. Dabei erhielten sie einen größeren Kessel und dickere Radreifen, die den Raddurchmesser um 1,5 Zoll vergrößerten. Die so umgebauten Loks kamen oft als Vorspann für schwere Schnellzüge zum Einsatz, wobei oftmals mehr als 80 mph erreicht wurden. Abgelöst wurden sie zwischen 1904 und 1907 durch die von Whale entwickelte Precursor Class, die nun die Doppelbespannung überflüssig werden ließ.

Nr. 1434 „Eunomia”, die im Oktober 1907 als letzte verschrottet wurde, im Zustand nach dem Umbau durch Webb Locomotive Magazine, Januar 1908
Schema eines Tenders mit Schöpfeinrichtung, wie ihn die Problem-Klasse als erstes einsetzte George Findlay, „The Working and Management of an English Railway”

Technische Daten

Allgemein

Eigenschaft Auslieferungszustand Umbau 1895
Baujahre 1859-1865 1895-1897
Hersteller Crewe
Achsformel 1A1 n2
Spurweite 1.435 mm (Normalspur)

Abmessungen und Gewichte

Eigenschaft Auslieferungszustand Umbau 1895
Radstand 4,67 m
Dienstmasse 27,4 t 31,9 t
Reibungsmasse 11,6 t 14,5 t
Gesamtmasse 45,1 t 57,3 t
Feste Radstände 4,67 m
Achslast 11,6 t 14,5 t
Wasservorrat 6.818 l 8.184 l

Kessel

Eigenschaft Auslieferungszustand Umbau 1895
Rostfläche 1,384 m² 1,589 m²
Feuerbüchse 7,897 m² 8,789 m²
Rohrheizfläche 94,111 m² 91,082 m²
Verdampfungsheizfläche 102,008 m² 99,871 m²
Gesamtheizfläche 102,0 m² 99,9 m²

Triebwerk

Eigenschaft Auslieferungszustand Umbau 1895
Raddurchmesser 2.324 mm 2.362 mm
Kesseldruck 8,6 bar 10,3 bar
Bauart einfache Dampfdehnung
Zylinder zwei, 406 x 610 mm

Leistung

Eigenschaft Auslieferungszustand Umbau 1895
Energiequelle Dampf
Geschätzte Leistung 224 kW (305 PS) 373 kW (507 PS)
Zugkraft 31,7 kN 37,5 kN

Berechnete Werte

Eigenschaft Auslieferungszustand Umbau 1895
Adhäsionskoeffizient 1 : 3,58 1 : 3,79
Optimale Geschwindigkeit 43 km/h 61 km/h
Leistungsgewicht 8,2 kW/t 11,7 kW/t
Heizflächen-Äquivalent 141,5 m² 143,8 m²
Zylindervolumen/HFÄ 1 : 1.117,73 1 : 1.099,68
Reibungsmasse/Gesamt 1 : 2,37 1 : 2,20
Zugkraft/Heizfläche 1 : 6,50 1 : 7,84
Rostfläche/Heizfläche 1 : 73,71 1 : 62,85
Feuerbüchse/Rohrheizfläche 1 : 11,92 1 : 10,36
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