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Das Nachschlagewerk für Loks und Triebwagen

Dampfloks der Great Northern Railway (GNR)

Schwere Ausführung der C1 in LNER-Farben beim Wasserfassen aus voller Fahrt Sammlung R. Blencowe

Die Gründung der Great Northern Railway wurde 1846 beschlossen, um eine Strecke von London nach York zu bauen. Schon im März 1848 wurde der Betrieb auf dem ersten Abschnitt aufgenommen. Damals bediente man sich zum Teil an Strecken anderer Bahngesellschaften, auf denen man sich die Nutzungsrechte sicherte. Bereits 1850 konnte man den Abschnitt von London bis Peterborough komplett befahren. Im folgenden Jahr wurde mit Bau des Bahnhofs King's Cross in London begonnen, welcher 1852 eröffnet wurde. Die Hauptstrecke der GNR schloss sich letztlich nördlich von Doncaster an die Strecke der North Eastern Railway an.

Heute bildet sie einen Teil der East Coast Main Line, die eine Verbindung nach Edinburgh darstellt. Seit den 1870ern betrieb die GNR dort in Zusammenarbeit mit der North Eastern und North British den Flying Scotsman. Hier konnten die Schnellzugloks der GNR auf ihrem Abschnitt ihre hohen Reisegeschwindigkeiten zur Schau stellen. Dort wurden 1879 die weltweit ersten Speisewagen eingeführt, ebenso erfolgte ab 1881 die Einführung der durchgehenden Vakuumbremsen.

Mit der Zeit wurden immer mehr Verbindungen zu Städten Abseits der Hauptstrecke geschlossen. Die wichtigsten davon waren Leicester, Nottingham, Manchester und Sheffield. In den 1860er Jahren kaufte man mehrere Vorortstrecken in London auf. Ein immer wichtigeres Aufgabenfeld war der Transport von Kohle aus den Abbaugebieten in Nottinghamshire, Derbyshire und Yorkshire. Die Lieferung der immer größeren Kohlemengen nach London brachte bald den größten Umsatz der Gesellschaft ein. Ebenso betrieb man gemeinsam mit anderen Bahngesellschaften mehrere Joint Railways.

Der erste Chefingenieur war Benjamin Cubitt, der jedoch bereits nach kurzer Zeit im Dienst verstarb. Er wurde 1850 von Archibald Sturrock abgelöst, der sein Handwerk bei der GWR unter Gooch gelernt hatte und mehr als ein Dutzend Loks für die GNR entwerfen sollte. Er begleitete die Gesellschaft in einem Zeitraum großem Wachstums, in dem sich die Zahl der Belegschaft mehr als verzehnfachte.

Sein Nachfolger war ab 1866 Patrick Stirling, der für seine Singles mit einem Raddurchmesser von acht Fuß und einem Zoll, also 2.464 mm bekannt war. Diese Schnellzugloks konnten bereits 85 mph (137 km/h) erreichen und stellten 1895 beim „Race to the North” Rekorde mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von mehr als 60 mph (97 km/h) auf.

Nach dem Tod Stirlings im Jahr 1895 folgte ihm Henry Alfred Ivatt, der durch technische Innovationen bekannt wurde, die er als erster in Großbritannien einführte. Dies waren 1898 die Schnellzuglok der Bauart Atlantic, 1908 der Überhitzer und zudem die Heusinger-Steuerung.

1911 übernahm Nigel Gresley den Posten. Eine seiner ersten Errungenschaften war die Einführung der Nahverkehrsgarnituren der Bauart „Quad Art”. Dies waren vierteilige, fest verbundene Personenwagen, die sich auf gemeinsame Jakobsdrehgestelle stützten und somit Gewicht sparten. Für den immer weiter zunehmenden Kohleverkehr nach London führte er als einer der ersten in Großbritannien Güterzugloks der Achsfolge 1'D ein. Kurz vor der Gruppierung entwickelte er 1922 die Pacific der Klasse A1, die als erste nachgewiesenermaßen im Regelbetrieb eine Geschwindigkeit von 100 mph (161 km/h) erreichte. Er machte sich später bei der LNER weiterhin einen Namen mit besonders schnellen Dampfloks, als die A4 „Mallard” 126 mph (203 km/h) erreichte.

Als 1923 die britischen Bahnverwaltungen gruppiert wurden, ging die Great Northern in der London & North Eastern auf. Nun war die gesamte East Coast Main Line unter der Kontrolle einer einzigen Gesellschaft. Gresley konnte sich hier als Chefingenieur der gesamten Gesellschaft behaupten und behielt diesen Titel bis zu seinem Tod 1941.

Netzwerk um 1920
Heutige Ansicht von King's Cross Reading Tom CC BY 2.0
Archibald Sturrock National Railway Museum
Henry Ivatt PD
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