Schlepptenderloks Achsfolge E
0-10-0 „Ten-coupled”
Die Achsfolge E bezeichnet eine Dampflokomotive mit fünf Kuppelachsen und ohne Vor- oder Nachlaufachsen. Im deutschen Sprachraum bezeichnet man diese Achsfolge auch als „Fünfkuppler”, auch wenn diese Bezeichnung genau genommen auch für andere fünffach gekuppelte Loks mit Laufachsen betrifft. In verschiedenen Ländern wird diese Achsfolge wie folgt bezeichnet:
UIC: E
Whyte: 0-10-0
Schweiz: 5/5
Frankreich: 050
Türkei: 45
Die E kann grundsätzlich als Vergrößerung der Achsfolge D um eine zusätzliche Kuppelachse angesehen werden. Da die gesamte Masse der Lokomotive auf den Kuppelachsen ruhte, stand ein hoher Anteil der Gesamtmasse als Reibungsmasse zur Verfügung. Dadurch eignete sich diese Bauart besonders für die Beförderung schwerer Güterzüge bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten sowie für den Einsatz auf steigungsreichen Strecken.
Die größte Herausforderung bei der Konstruktion einer Lokmotive dieser Achsfolge war der lange Achsstand der fünf Kuppelachsen. Bei einer starren Lagerung aller Achsen im Rahmen hätte eine solche Lokomotive sehr große Kurvenradien benötigt und erhebliche Seitenkräfte auf das Gleis ausgeübt. Aus diesem Grund kamen verschiedene Lösungen zum Einsatz, um die Kurvengängigkeit zu verbessern. Dazu gehörten Seitenspiel einzelner Achsen, spurkranzlose Räder sowie Systeme, bei denen sich die erste und letzte Kuppelachse seitlich verschieben konnten und die Lokomotive in Kurven führten.
Im Vergleich zu Bauarten mit Vor- oder Nachlaufachsen war die E relativ selten. Durch den Verzicht auf Laufachsen konnte nahezu die gesamte Lokomotivmasse für die Adhäsion genutzt werden, gleichzeitig war jedoch der verfügbare Platz für eine große Feuerbüchse begrenzt und die Laufeigenschaften waren für höhere Geschwindigkeiten weniger geeignet. Für Lokomotiven, die fünf Kuppelachsen benötigten, aber auch höhere Geschwindigkeiten erreichen oder eine größere Dauerleistung entwickeln sollten, waren Achsfolgen wie 1'E und 1'E1' in der Regel besser geeignet.
Der Fünfkuppler fand ihre größte Verbreitung in Ländern, in denen schwerer Güterverkehr auf Strecken mit vergleichsweise niedrigen zulässigen Achslasten bewältigt werden musste. Deutschland gehörte mit der preußischen G 10, von der ab 1910 mehrere Tausend Exemplare gebaut wurden, zu den bekanntesten Nutzern. Ihre fünf Kuppelachsen ermöglichten eine hohe Reibungsmasse bei gleichzeitig moderater Belastung der einzelnen Achsen. Lokomotiven dieser Bauart wurden auch an verschiedene andere europäische Länder geliefert oder später dort eingesetzt.
Weitere Lokomotiven dieser Achsfolge wurden für Eisenbahnen in Europa und Asien gebaut, während diese Bauart in Nordamerika selten blieb. Dort verfügten schwere Güterzuglokomotiven in der Regel über mindestens eine Vorlaufachse, woraus Bauarten wie die 1’E „Decapod“ entstanden. Dennoch stellte die E eine der einfachsten Möglichkeiten dar, fünf Kuppelachsen mit maximaler Reibungsmasse zu kombinieren, und entwickelte sich auf einigen europäischen Eisenbahnnetzen zu einer bedeutenden schweren Güterzuglokomotive.
Lokomotiven
Bayerische G 5/5
Deutschland
Jugoslawische Staatsbahn Nr. 1932 bis 1937
Jugoslawien
k.k. Staatsbahnen und Südbahn Reihe 180
Österreich-Ungarn
k.k. Staatsbahnen Reihe 80
Österreich-Ungarn
Preußische G 10
Deutschland
Sächsische XI V, XI H und XI HV
Deutschland
Südbahn Reihe 480
Österreich
Württembergische G
Deutschland
Württembergische H und Hh
Deutschland